Vorab das Ergebnis: Bei einer Umgebungstemperatur von −10 ℃ bleibt vom NP-FZ100 meist nur etwa die Hälfte der nutzbaren Kapazität übrig, die bei Raumtemperatur zur Verfügung steht. Original-Akku von Sony und Akku von Drittherstellern lagen in dieser Untersuchung in demselben Bereich; eine systematische Überlegenheit einer der beiden Seiten ließ sich nicht feststellen. Der Einbruch bei Kälte ist im Kern eine elektrochemische Eigenschaft von Lithium-Ionen-Zellen und nur wenig von der Marke abhängig. Wirksam sind andere Maßnahmen: den Akku warm halten, mehrere Exemplare im Wechsel einsetzen und hohe Entladeströme in der Kälte vermeiden. Dieser Beitrag beschreibt die Testbedingungen, den Vergleich beider Varianten sowie einen in der Praxis erprobten Ablauf für Aufnahmen im Winter; ergänzende Tipps liefert der Beitrag zu Schneeaufnahmen im Winter.
Warum Kälte Kapazität kostet: der Mechanismus in einem Satz
In einer Lithium-Ionen-Zelle wandern Ionen zwischen den Elektroden; sinkt die Temperatur, steigt die Viskosität des Elektrolyten und der Innenwiderstand nimmt zu. Ein Teil der gespeicherten Energie lässt sich dann nicht mehr abrufen, die Spannung fällt früher unter die Abschaltschwelle des Gehäuses. Daraus ergibt sich das bekannte Winterphänomen: Die Anzeige steht noch bei 40 %, ein Druck auf den Auslöser genügt, und die Kamera schaltet bei 0 % ab. Ein Defekt ist das nicht — nach dem Erwärmen kehrt der weitaus größte Teil der Kapazität zurück.
- Um 0 ℃: Die nutzbare Kapazität beginnt deutlich zu sinken, in der Praxis etwa auf siebzig bis achtzig Prozent des Raumtemperaturwerts.
- Um −10 ℃: Unter Umständen bleibt nur rund die Hälfte; bei hohen Strömen — Serienaufnahmen, 4K — fällt der Effekt stärker aus.
- Nach Rückkehr zur Raumtemperatur: Die Kapazität stellt sich weitgehend wieder ein, wobei wiederholte Hochstromentladung bei extremer Kälte einen gewissen bleibenden Anteil hinterlassen kann.
Ergebnisse aus Kältetests eignen sich deshalb nicht für Rückschlüsse auf die Lebensdauer: Sie beschreiben, wie viel Energie in diesem Moment abrufbar ist.
Unsere Bedingungen beim Kältetest
- Umgebung: Die Exemplare verbleiben ausreichend lange bei der Zieltemperatur im Bereich von −10 ℃, damit der gesamte Akku und nicht nur das Gehäuse durchkühlt.
- Bezugswert: Dasselbe Gehäuse, dieselben Einstellungen; zunächst eine Referenzmessung bei Raumtemperatur, danach der Durchlauf in der Kälte, bewertet als relativer Wert.
- Last: Sowohl statische Entladung als auch reale Aufnahmen einschließlich Sucherbetrieb und Wiedergabe, weil der Strom in der Praxis schwankt.
- Stichprobe: Mehrere Exemplare je Variante aus derselben Charge, Bewertung als Bereich.
- Darstellung: Nur Bereiche und „etwa“. Kältemessungen hängen stark von der Durchkühlzeit, der Ausgangstemperatur und dem Entladestrom ab, weshalb genaue Einzelwerte nicht wiederholbar wären.
Original gegen Dritthersteller: Bereiche bei −10 ℃
| Testbedingung | Original NP-FZ100 | NP-FZ100 von Drittherstellern | Bewertung des Unterschieds |
|---|---|---|---|
| Referenz bei Raumtemperatur (etwa 25 ℃) | etwa 100 % | etwa 100 % | identisch, dient als Bezugsgröße |
| Aufnahme nach Lagerung bei 0 ℃ | etwa 70 %–85 % des Raumtemperaturwerts | etwa 68 %–85 % des Raumtemperaturwerts | Bereiche überlappen, kein substanzieller Unterschied |
| Aufnahme nach Lagerung bei −10 ℃ | etwa 45 %–60 % des Raumtemperaturwerts | etwa 45 %–60 % des Raumtemperaturwerts | Bereiche überlappen, kein substanzieller Unterschied |
| Serienaufnahme / 4K bei −10 ℃ | schnellerer Abfall, vorzeitiges Abschalten | schnellerer Abfall, vorzeitiges Abschalten | beide benötigen Wärme und Wechsel |
| Neumessung nach Erwärmung | weitgehend wiederhergestellt | weitgehend wiederhergestellt | reversibler Effekt |
Die entscheidende Erkenntnis dieser Tabelle: Der Temperatureinfluss ist sehr viel größer als der Unterschied zwischen Original und Dritthersteller. Bei −10 ℃ ist die Frage nach der Marke nachrangig gegenüber zwei Handgriffen: ein weiterer Akku in der Tasche und die Aufbewahrung nah am Körper. Zugleich erklärt die Tabelle, warum derselbe Akku im Sommer und im Winter so unterschiedlich erlebt wird.
Hinzu kommt ein Vorbehalt: Die Streuung zwischen Zellenchargen und zwischen Akkus unterschiedlichen Alters fällt in der Kälte größer aus als bei Raumtemperatur. Die Tabelle dient deshalb der Einordnung eines Trends und ist nicht als Rangfolge von Marken gedacht. Einen Vergleich weiterer Kriterien bietet unser ausführlicher Beitrag zu Original und kompatiblem NP-FZ100.
Aufnahmen im Winter: ein umsetzbarer Ablauf
Vor dem Aufbruch
- Akkus vollständig laden, denn unterwegs ergibt sich selten eine Gelegenheit zum Nachladen.
- Die Stückzahl auf das 1,5- bis 2-Fache des üblichen Bedarfs ansetzen, bei langen Aufzeichnungen und Serien entsprechend mehr.
- Akkus in einer innennahen Tasche tragen und über die Körperwärme temperieren. Das Außenfach der Fototasche ist der kälteste Ort und dafür ungeeignet.
Während der Aufnahme
- Im Wechsel arbeiten: Ein Akku, der schnell abfällt, kommt zurück in die Innentasche und gewinnt beim Erwärmen häufig einen Teil seiner nutzbaren Ladung zurück.
- Den Wechsel möglichst windgeschützt vornehmen, um die Expositionszeit von Gehäuse und Akku kurz zu halten.
- Bei längeren Pausen Display und Live-View abschalten, um unnötigen Stromentnahme zu vermeiden.
- Zeigt sich das Muster „voll geladen und trotzdem sofort aus“, nicht mehrfach neu starten, sondern ein warmes Exemplar einsetzen.
Zurück im Warmen
- Akku und Gehäuse können beschlagen: Beides zunächst in einen verschlossenen Beutel geben, auf Raumtemperatur kommen lassen und erst danach abtrocknen, damit keine Feuchtigkeit in Gehäuse und Akkufach gelangt.
- Nach dem Erwärmen stellt sich die Kapazität wieder ein; eine Ladung liefert dann auch verlässlichere Werte.
- Nach einer längeren Produktion die Akkus entweder auf 40 % bis 60 % bringen oder für den nächsten Einsatz voll laden.
Extreme Einsätze: Wann sich externe Stromversorgung lohnt
Bei stationären, langen Aufzeichnungen — Zeitraffer, Interviews, Streaming — ist die stabilere Lösung ein Dummy-Akku in Verbindung mit einem Netzteil oder einer Powerbank. Damit wird der Akku selbst aus der kalten Umgebung herausgenommen, während die Energiequelle in der Jacke oder in einer isolierten Box bleibt. Zu beachten sind die passende Spannung, der richtige Anschluss und das Verhalten der Powerbank in der Kälte; beides behandeln unser Test von Dummy-Akku und Netzteil sowie der Beitrag zur unterbrechungsfreien Versorgung bei Video und Streaming.
Wichtig ist dabei eine Einschränkung: Auch eine Powerbank basiert auf Lithium-Ionen-Zellen und verliert bei −10 ℃ an nutzbarer Kapazität. Externe Versorgung bedeutet also nicht automatisch eine längere Laufzeit.
Häufige Fragen
Ist ein Akku defekt, wenn er bei −10 ℃ die Hälfte verliert?
Nein. Das ist die normale Folge eines steigenden Innenwiderstands; nach dem Erwärmen ist die Kapazität weitgehend zurück. Bleibt die Laufzeit auch bei Raumtemperatur deutlich verkürzt, deutet das auf Alterung oder einen Defekt hin.
Sind Akkus von Drittherstellern im Winter weniger belastbar?
In unseren Vergleichsbereichen nicht — die Ergebnisse bei −10 ℃ überlappen, ohne systematischen Unterschied. Maßgeblich sind Akkutemperatur und Entladestrom, nicht die Marke.
Darf man den Akku mit einem Handwärmer aufwärmen?
Von direktem Kontakt mit Wärmequellen ist abzuraten, denn zu hohe Temperaturen schaden der Zelle ebenfalls. Sicher ist die Erwärmung über die Körperwärme oder eine isolierende Tasche; örtliche Überhitzung ist zu vermeiden.
Der Akku fällt bei Videoaufnahmen in der Kälte besonders schnell — was hilft?
Bildschirmhelligkeit reduzieren, Wiedergabe und Live-View verkürzen und vorzugsweise extern versorgen; außerdem drei oder mehr Exemplare bereithalten. Eine darauf abgestimmte Planung beschreibt unser Beitrag zur Akkuplanung für Hochzeitsreportagen.
Fazit und Kaufempfehlung
Die Aussage zu Kälte ist unspektakulär: Bei −10 ℃ bleibt etwa die Hälfte der Raumtemperatur-Kapazität, Original und Dritthersteller liegen im selben Bereich, und Warmhalten sowie Wechseln helfen mehr als die Markenwahl. Für Wintereinsätze empfiehlt sich das 1,5- bis 2-Fache der üblichen Akkuzahl. Wer aufstocken möchte: Der NP-FZ100-kompatible Akku mit 2280 mAh und rund 16,4 Wh kostet einzeln etwa €16,36, als Set mit einem Akku und Ladegerät etwa €20,97 und als Doppelset mit Ladegerät etwa €33,59. Mit mehr Reserve arbeitet der TNP-FZ100 mit 2400 mAh und rund 17,3 Wh — einzeln etwa €17,97, mit Ladegerät etwa €22,58, als Doppelset etwa €36,50. Ein Original-Akku von Sony liegt üblicherweise bei 70 € und mehr. Transport und Aufbewahrung auf Reisen behandelt der Beitrag zum Mitführen von Akkus auf Reisen. Studios, Verleihfirmen und Händler mit einem Bedarf ab etwa 100 Stück wenden sich an die Großhandelsanfrage; die Konditionen werden nach Menge individuell kalkuliert.